Bereit, wenn es sein muss – wir in der Zeitung
Eine Lausitzer Wehr im Waldbrand-Stress: Bereit, wenn es sein muss
Es ist Montag, 14.25 Uhr, als bei Martin Mathow nahezu synchron der Pieper und die Alarmsirene der Feuerwehr in Kolkwitz losgehen – Einsatz. Mathow ist gerade in seinem Büro im Altbau der Gemeindeverwaltung in Kolkwitz, hat noch zu arbeiten. Der 32-Jährige ist der Leiter des Fachbereichs Ordnung und Sicherheit der Gemeinde. Aber er ist eben auch Feuerwehrmann.
Einsatz in der Lieberoser Heide
Es ist der Tag, an dem in der Lieberoser Heide wieder einmal die Wälder brennen, die örtlichen Feuerwehren aber aufgrund der Größe der Waldflächen, des Brandes und des munitionsbelasteten Bodens überfordert sind. Sie bitten um Hilfe – und erhalten sie neben vielen anderen auch von der Ortsfeuerwehr Kolkwitz. Für Mathow heißt das an diesem Nachmittag, dass Ordnung und Sicherheit in der Gemeinde erst einmal warten müssen. Er eilt vom Rathaus an der Berliner Straße über diese hinweg zum Feuerwehrgerätehaus in der Bahnhofstraße. Der Weg beträgt nur wenige Hundert Meter. Da es sich aber um eine scharfe beziehungsweise Erstalarmierung handelt, ist Eile geboten.
Im Gerätehaus haben sich etwa zehn Feuerwehrleute eingefunden. Sie wissen bereits, es soll nach Lieberose zum Einsatz gehen. Und sie wissen auch jetzt schon, dass dieser Einsatz mit großer Sicherheit nicht so kurz sein wird wie die meisten Einsätze in ihrem normalen Einsatzgebiet in der Gemeinde – wenn es um kleinere Brände, Verkehrsunfälle oder im Altkleidercontainer entsorgte tote Kaninchen geht.
Ich bin bereit
Drei Leute werden für die erste Gruppe benötigt, Mathow ist nicht unter ihnen. Er hat einen vierjährigen Sohn, den er an diesem Nachmittag noch aus dem Kindergarten abholen muss. Dennoch ist er erst einmal zum Treffpunkt geeilt, macht damit klar: Ich bin bereit, wenn es sein muss und wenn es unbedingt sein muss auch jetzt. Muss es aber nicht, drei andere Kameraden fahren zuerst mit einem Tanklöschfahrzeug nach Lieberose: ein Gruppenführer, ein Maschinist und ein weiterer Feuerwehrmann. Ihr Einsatz in Lieberose wird etwa acht Stunden dauern, dann werden sie von der zweiten Gruppe abgelöst, diese von der dritten Gruppe. In der wird Martin Mathow sein. Am nächsten Tag aber erst, ganz in der Früh geht es zum Einsatzort in der Lieberoser Heide.
Zwischen Job, Familie und Feuerwehr
Bis dahin hat Mathow ausreichend Zeit, seinem Arbeitgeber, der Gemeindeverwaltung Kolkwitz, und auch seiner Frau und seinem Kind zu erklären, dass er Dienstag nicht da ist – weder tagsüber am Schreibtisch in der Verwaltung und nicht früh und abends bei der Familie.
Nicht immer aber lässt sich dies bei Einsätzen so gut planen und organisieren. 36 aktive Kameraden gibt es in der Kolkwitzer Ortsfeuerwehr, darunter etwa fünf Frauen. Rund zehn der Kameraden sind auch bei der Gemeinde beschäftigt, vielfach im Kolkwitzer Bauhof. So stand dieser Tage noch der Rasenmäher vorm Bauhof, weil ein Mitarbeiter schnell Fahrzeug und Kluft wechseln und zum Feuerwehreinsatz musste. „Das sind die immer verfügbaren, die planbaren Einsatzkräfte“, erklärt Jürgen Rehnus dazu. Er war bis vor einem Monat Gemeindebrandmeister und Gemeindewehrführer, machte das 18 Jahre lang und hat in dieser Zeit schon einiges erlebt. Bei anderen Einsatzkräften sei es schwieriger, die würden in Cottbus oder Burg arbeiten. Da dauere es halt, bis sie tagsüber bei Alarmierungen im Feuerwehrdepot seien. Martin Mathow spricht für die Zeit von 7 bis 16 Uhr von einer geringeren Tageseinsatzbereitschaft als abends oder in der Nacht. Was nicht heißt, dass die Kameraden tagsüber nicht wollen oder ihre Arbeitgeber sie dafür nicht freistellen, sie sind schlichtweg nicht vor Ort oder ihre Fahrt dauert zu lange.
Gemeinden achten auf das Ehrenamt
Darum achten die Gemeinden auch darauf, dass bei Einstellungen Bewerber ihre Bereitschaft erklären, in der örtlichen Feuerwehr aktiv mitzumischen. Martin Mathow ist so ein typischer Fall. Als er sich 2006 bei der Gemeindeverwaltung Kolkwitz für eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bewarb, hatte er mit der Feuerwehr nicht so wahnsinnig viel am Hut. Da mitzumachen, war aber schon gewünscht. Seitdem ist der Kolkwitzer in der Freiwilligen Feuerwehr seiner Gemeinde aktiv, hat sich nach und nach qualifiziert zum Truppmann und Truppführer. 2017 machte er in der brandenburgischen Feuerwehrlandesschule in Eisenhüttenstadt eine mehrwöchige Ausbildung zum Gruppenführer. „Ich mache das gern“, sagt er heute, „und mit Leidenschaft“. Er habe auch dort seinen Freundeskreis, seine Kumpels. „Zudem verbringen wir bei den Einsätzen auch viel Zeit miteinander. Das verbindet.“ Und man treffe sich ja auch in der Freizeit als Freunde und Familie.
Die Frau hält den Rücken frei
Seine Frau hält ihm den Rücken frei, sagt Mathow zum Thema Feuerwehreinsätze und Familie. Natürlich gibt es auch die typischen Unzeiten, zu denen eine Alarmierung eigentlich gar nicht passt. Beispielsweise wenn er mit Frau und Sohn beim Abendessen als der einzigen gemeinsamen Mahlzeit des Tages sitzt und die drei darüber reden, was so tagsüber los war und dann geht der Pieper los . . . „Aber das kriegt man schon irgendwie geregelt, meist auch konfliktfrei“, sagt der junge Familienvater. Sein älterer und erfahrener Kollege Rehnus komprimiert dies in der Weisheit „Wenn die Frau nicht mitspielt, ist der Feuerwehrmann nicht gut drauf.“ Der Jüngere relativiert aber auch, dass man als freiwilliger Feuerwehrmann nicht jeden Tag im Einsatz sei. Mal gebe es vier, meist kleinere Einsätze am Tag, mal passiere tagelang gar nichts.
Die Einsatzliste zeigt es
Ein Blick in die von der Ortswehr Kolkwitz veröffentlichten Einsatzlisten bestätigt dies. Die Einsätze im Juni beginnen am Monatsersten mit einem Bahndeichbrand, Einsatzdauer 1:27 Stunden. Das nächste Mal ausrücken müssen die Kolkwitzer erst am 12. Juni zu einem kleinen Waldbrand, dessen Bekämpfung dauert nur eine gute Stunde. Ein Ausreißer ist der 19. Juni, an dem zu einem Waldbrand noch zwei Verkehrsunfälle hinzukamen. Noch krasser ist der 26. des Monats: brennender Holzstapel, Baum auf der Straße, Waldbrand, Verkehrsunfall. Alle Einsätze dauern aber kaum mehr als eine Stunde.
47 Stunden Waldbrandeinsatz
Ganz anders der 24. Juni, als um 14:25 Uhr Martin Mathow durch Pieper und Sirene alarmiert wird. Dieser Einsatz dauert 47:35 Stunden. Viermal werden in diesen zweit Tagen die dreiköpfigen Tanklöschfahrzeug-Besatzungen ausgewechselt. Mathow war einer von ihnen – nachdem er seinen Sohn aus dem Kindergarten geholt und seine Frau sowie die Kollegen über seine Abwesenheit informiert hatte.
Waldbrand
Datum: 6. Juli 2019
Alarmzeit: 14:12 Uhr
Alarmierungsart:
Art: Wald
Einsatzort: Lieberose OT Byhlen
Mannschaftsstärke: 12
Fahrzeuge: TLF 16/45
Weitere Kräfte:
Einsatzbericht:
Der TLF der Orstwehr Kolkwitz wurde erneut zur Unterstützung zum Waldbrand in der Lieberoser gerufen. Einsatzort war erneut Byhlen.
Dies wurde geleistet durch je 3 Kameraden im 8 Stunden Rhythmus, wobei die Ortswehr Kolkwitz die Personelle Hauptlast trägt aber auch durch KameradInnen aus der Großgemeinde unterstützt wird.
Brennende Bahnschwellen
Datum: 4. Juli 2019
Alarmzeit: 11:38 Uhr
Alarmierungsart:
Art: Schiene
Einsatzort: Kolkwitz, OT Eichow
Mannschaftsstärke: 9
Fahrzeuge: ELW , GTLF ZT 323 , TLF 16/45 , TLF W50
Weitere Kräfte: FFW Eichow , FFW Glinzig , FFW Krieschow , FFW Kunersdorf , FFW Papitz
Einsatzbericht:
Im Bahnhof Eichow brannten 4 Holzbahnschwellen auf einer Brücke. Wir löschten diese mit Schaum und suchten mit der Wärmebildkamera nach Glutnestern. Anschließend übergaben wir die Einsatzstelle an den DB-Notfallmanager.
Bahndammbrand
Datum: 1. Juli 2019
Alarmzeit: 15:00 Uhr
Alarmierungsart:
Art: klein
Einsatzort: Kolkwitz, OT Glinzig
Mannschaftsstärke: 7
Fahrzeuge: ELW , TLF 16/45 , TLF W50
Weitere Kräfte: FFW Glinzig
Einsatzbericht:
Die Feuerwehr musste einen Bahndamm und ein benachbartes Getreidefeld löschen. Es brannten etwa 2.500qm.
Bahndammbrand
Datum: 1. Juli 2019
Alarmzeit: 10:45 Uhr
Alarmierungsart:
Art: Fläche
Einsatzort: Kolkwitz, Wilhelm-Schadowstr
Mannschaftsstärke: 11
Fahrzeuge: ELW , TLF 16/45 , TLF W50
Weitere Kräfte: FFW Eichow , FFW Glinzig , FFW Krieschow
Einsatzbericht:
Schon während der Anfahrt stellte sich heraus, das es sich um einen Böschungsbrand an der Bahnstrecke Cottbus-Eichow handelt. Da vereinzelte Feuer entlang dieser Strecke gemeldet wurden, wurden weitere Fahrzeuge aus Gemeinde nachalarmiert. Größere Schwierigkeiten gab es, an die Brandstellen zu fahren da es keine direkten Zufahrten an die Bahnstrecke an diesen Punkten gibt.
Tierleichen im Kleidercontainer
Datum: 30. Juni 2019
Alarmzeit: 21:46 Uhr
Alarmierungsart:
Art: klein
Einsatzort: Kolkwitz, Bahnhofstraße
Mannschaftsstärke: 10
Fahrzeuge: ELW , TLF 16/45
Weitere Kräfte: Polizei
Einsatzbericht:
Anwohner hatten die Polizei informiert, weil sie Verwesungsgeruch aus einem Altkleidercontainer bemerkt hatten. Die bekam den Container aber nicht geöffnet und rief die Feuerwehr zur Unterstützung. Tatsächlich zeigte sich der Behälter als recht widerstandsfähig, konnte aber mit Spreizer und Trennschleifer schließlich geöffnet werden. Die Quelle für den Gestank waren drei tote Kaninchen, die jemand im Container entsorgt hatte. Die Feuerwehr half dabei, die Überreste zu sichern und reinigte den Container mit Wasser.
Vermeindlicher Waldbrand
Datum: 30. Juni 2019
Alarmzeit: 14:43 Uhr
Alarmierungsart:
Art: Wald
Einsatzort: Fehrow
Mannschaftsstärke: 9
Fahrzeuge: ELW , TLF 16/45 , Wache
Weitere Kräfte: FFW Briesen , FFW Burg , FFW Dissen , FFW Eichow , FFW Fehrow , FFW Ruben , FFW Schmogrow , FFW Striesow
Einsatzbericht:
Die Kolkwitzer Feuerwehr wurde zur Unterstützung zu einem Waldbrand gerufen, der von Überwachungskameras gemeldet worden war. Trotz intensiver Suche konnte jedoch kein Feuer gefunden werden.
Auto gegen Laterne
Datum: 29. Juni 2019
Alarmzeit: 5:18 Uhr
Alarmierungsart:
Art: mit Personenschaden
Einsatzort: Kolkwitz, L49
Mannschaftsstärke: 1
Fahrzeuge: ELW
Weitere Kräfte: Elektrofirma , Polizei , Rettungsdienst
Einsatzbericht:
Ein Auto war gegen eine Laterne gefahren. Die Feuerwehr sicherte die Unfallstelle ab und informierte eine Elektrofirma, die sich um die beschädigte Laterne gekümmert hat.
Verkehrsunfall
Datum: 26. Juni 2019
Alarmzeit: 18:29 Uhr
Alarmierungsart:
Art: mit Personenschaden
Einsatzort: L49 bei Glinzig
Mannschaftsstärke: 11
Fahrzeuge: ELW , HLF20
Weitere Kräfte: FFW Glinzig , Polizei
Einsatzbericht:
Keine Maßnahmen von unser Seite erforderlich. Der Einsatz wurde durch die Ortswehr Glinzig abgearbeitet.
Baum auf Straße
Datum: 26. Juni 2019
Alarmzeit: 15:00 Uhr
Alarmierungsart:
Art: Natur
Einsatzort: Kolkwitz, Steinteichmühle
Mannschaftsstärke: 6
Fahrzeuge: HLF20
Weitere Kräfte:
Einsatzbericht:
Ein Baum blockierte die Straße. Die Feuerwehr sägte ihn klein und räumte die Fahrbahn frei.









































